Dienstag, 29. Juli 2014

Efa hoande mody (Schon nach Hause gehen)

Heute werden wir also ins Flugzeug steigen und nach Hause fliegen. Somit werden wir unseren Blog mit diesem Bericht schliessen. Wir haben drei wunderbare Monate erlebt. Haben so viel gesehen – und du glaubst uns das nun vielleicht nicht – aber wir könnten ohne weiteres nochmals so lange unterwegs sein und hätten immer noch nicht jeden Ort besucht. Wir schildern dir hier unsere letzten Gedanken, ehe wir dir live davon erzählen können.

Lügen oder Sagen wir ihnen einfach, was sie hören wollen
Etwas was wir nicht verstehen ist, warum die Madagassen so oft nicht die Wahrheit sagen. Am nervigsten ist es beim Reisen mit dem Taxibrousse. Da sagen sie dir einfach irgend eine Zeit, wann sie am nächsten Tag losfahren würden. Wir waren dann natürlich die einzigen auf dem Platz, die um diese Uhrzeit schon warteten, alle anderen tauchten drei Stunden später auf. Warum nennen sie uns denn nicht die richtige Abfahrtszeit? Es würde uns ja nichts ausmachen am Morgen noch etwas länger zu schlafen... Interessant ist, dass sie nachher nichts dergleichen tun, sie können dir gut über zwei Stunden sagen, jaja, jetzt gehen wir dann gleich, wir warten nur noch kurz auf das Auto, den Chauffeur, müssen noch Gepäck  aufladen,... Nun, den mit dem ein bisschen „höcklen“ und „schauen“ haben wir mittlerweile und gegen Ende haben wir gar nicht mehr erst nachgefragt sondern sind einfach zur Station gegangen, alsbald wir fertig gepackt hatten am Morgen. Es herrscht hier eine riesen Konkurrenz um die Fahrgäste. Wenn man an eine Taxibroussestation kommt, wird man sofort von jensten verschiedenen Anbietern belagert und zugetextet. Wenn man dann mit jemandem verhandelt und der mekrt, dass wir lieber früher gehen würden als er eigentlich geht, ist es wohl einfacher für ihn, er sagt einfach jaja, wir gehen dann, um sicher keine Kundschaft zu verlieren. Wenn wir hier von lügen schreiben, dann tönt das – zumindest für unsere Ohren – sehr krass, hinterlistig und geplant, und wir glauben eigentlich nicht, dass es das ist, was sie machen, sondern eher ganz nach dem Motto leben, sagen wir ihnen doch einfach, was sie hören wollen, wenn sie das glücklicher macht.


"Jaja, mer gönd grad! Mues nur no gschnäll go Zigerette poste"



Erstens kommt es anders...
Im letzten Blogeintrag haben wir dir von der Busfahrt an die Ostküste erzählt. Damals dachten wir ja, das wäre übel, aber was wir vor einigen Wochen erlebt hatten, hat die Sache noch getoppt. Aber beginnen wir von vorne. Nachdem wir eine Woche lang durch die Masoala gewandert waren, knietief im Schlamm standen und Flüsse durchquerten wo das Wasser bis zur Brust reichte, es fast jeden Tag regnete, wir üble Blatern an den Füssen davontrugen, kamen wir ziemlich erschöpft aber durch und durch zufrieden in Maroantsetra an. Zufrieden, weil wir eine wunderbare Landschaft gesehen, den Dschungel hautnahe erlebt, wunderbare Gespräche (auf Madagassisch) mit unserer Crew geführt, gutes Essen bekommen und überhaupt einfach die unendliche Natur genossen hatten. In Maroantsetra sind wir dann aber stecken geblieben. Eigentlich wollten wir das Schiff nehmen, das auf Grund des schlechten Meers aber nicht fuhr. Mit dem Flugzeug würden wir auch nicht wegkommen, weil es bis Mitte August ausgebucht wäre. Taxibrousses gibt es zwar, es war aber nur noch auf der Ladefläche Platz, und für eine Fahrt, von der gesagt wird, sie sei noch schlimmer, als die, die wir schon gemacht haben und daure drei bis fünf Tage, im schlimmsten Falle sogar mehr, wollten wir nicht fahren. Was machen wir jetzt? Zum Glück trafen wir zwei weitere Paare, die in der selben Klemme sassen und wir mieteten uns ein Auto um die 240km zurück zu legen. Easy, bei uns wären das zwei Stunden Autobahn, oder? Nun ja, wir brauchten dafür tatsächlich drei Tage. Wir fuhren durch Flüsse, sassen auf Bambusfähren und überquerten Brücken, die mit einem zusätzlichen Brett belegt werden musste, damit wir nicht einstürzten. Es war ein riesen Abenteuer und mit unseren neuen Freunden auch ein tolles Erlebnis. Danke Simi & Tanja – so schön, haben wir euch kennengelernt. Thank you Jess and Pess – you’re amazing!


Suvakonform

"was a good smile"



... zweitens als man denkt...
Nach unserer dreitägigen Holperfahrt und einer zweistündigen Überfahrt mit dem Schiff, wo wir Wale springen sahen! – kamen wir auf der Insel St. Marie an. Dort machten wir vier Tage Ferien. Als wir am Freitagmorgen am Hafen standen um unsere Rückreise nach Tana anzutreten, verkündete ein Madagasse mit einer durch und durch fröhlichen Stimme, dass die Schiffe nicht fahren würden, das Meer wäre zu gefährlich. Am nächsten Tag würde bestimmt auch noch keines gehen und ob am Sonntag, ja, das wisse man halt noch nicht so genau. Oje, was machen wir nun? Am Mittwoch geht unser Flieger zurück, was, wenn es bis dann gar kein Schiff hat? Zum Glück half uns PRIORI (Schleichwerbung ;) – haben sie aber verdient!) einen Flug zu organisieren für den Sonntag. Somit konnten wir zwei weitere superschöne – ja fast die schönsten – abgesehen vom Wetter – Ferientage geniessen.


sälber gfischet! (En Baracoda!) und s beste Ässe kochet! 

Jeeeiiii... mer chömed vo de Insle abe! - au ohni Hightechflugticket ;) 


... und schlussendlich sind wir soo dankbar für alles!
Kathrin hat sich dummerweise eine Hornhautentzündung zugezogen und wir waren so froh, dass wir nicht noch Stunden im Taxibrousse verbringen mussten, ehe wir einen zuverlässigen Spital aufsuchen konnten. Glück im Unglück quasi. In Tana konnten wir uns vom Flughafen aus direkt ins Spital chauffieren lassen, wo Kathrin von einem Spezialisten behandelt wurde. Wir übernachteten sogar dort – somit kann uns also keiner mehr vorwerfen, wir hätten irgend eine Wichtigkeit ausgelassen in Madagaskar!

So blicken wir nun - die eine mit zwei, die andere halt nur mit einem Auge – auf drei wunderbar Monate zurück, danke dass ihr uns auf unserer Reise ein wenig begleitet habt.


En Vazaha im Spital! Attraktion des Tages! 



Chrigi bald zu Hause.blogspot.ch
Ja, nun heisst es Abschiednehmen. Nach einem ganzen Jahr wieder nach Hause zurückkehren. Es ist ein seltsames Gefühl. Was erwartet mich da? Finde ich meinen Platz wieder? Ich gebe zu, ich bin ein bisschen nervös. Aber es soll nicht anders sein. Lange habe ich behauptet, ich hätte keine Freunde gefunden in Madagaskar, aber in den vergangenen zwei Tagen in Tana habe ich alle meine Bekannten nochmals getroffen, mich in der Schule verabschiedet und bin dabei nur auf fröhliche, liebenswerte Menschen gestossen. So schön, dass ich so zufrieden abschliessen, und mit einem sonnigen Blick – sogar auf die Stadt Tana – dieses Land verlassen darf. Es war, wie ich schon öfters geschrieben habe, eine wunderbare Erfahrung und eine unendliche Bereicherung! Ich bin so stolz, dass ich die ersten neun Monate alleine geschafft habe und ich bin so dankbar für die beste Reisebegleitung, die ich mir hätte wünschen können für die letzten drei Monate meiner Madagaskarzeit. Danke Kathrin und danke Lea, dass ihr mir Madagaskar auch mit euren Augen gezeigt habt. Danke, dass ihr eure Gedanken mit mir geteilt habt! Ihr beide seid wunderbar und habt mein Madagaskarjahr zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Danke sage ich auch dir (zu Hause) nochmals! Danke, dass du meinen Blog gelesen hast, danke dass du mit mir fröhlich und traurig warst. Danke, dass du mich nicht vergessen hast. Danke, dass du dich freust, wenn ich wieder nach Hause komme. 

Alles packe und bi jedem Bild a die schöne Stunde und die liebe Mänschä dänkä... 

Dienstag, 8. Juli 2014

Mbola Tsara (Immer noch gut oder Begrüssung im Norden)

Meine Güte, wie die Zeit rennt, was haben wir in den vergangenen Wochen wieder erlebt, gesehen, gelacht, bedauert und gestaunt. Und dennoch fällt es uns schwer auszuwählen, was wir dieses Mal erzählen sollen, es waren so viele kleine Momente und Situationen, nichts Bahnbrechendes halt. Hier darum eine Auswahl an Kleinigkeiten.

ABSTRACT:
Die Crew:         Kathrin & Chrigi
Die Route:        1. Etappe: Tana – Andasibe – Tana
                          2. Etappe: Tana – Majunga – Antsiranana (Norden)
                          3. Etappe: Antsiranana Ambilobe – Sambava (Nordosten)
Zeitdauer:        1½  Monate
Stimmung:       positiv

Häkelunterricht
Nachdem wir das Dorf Maromatsinjo in der Pampa besuchten, in dem Chrigi zuletzt einen Monat gelebt hatte, gingen wir nach Moramanga. Eine Freundin von Chrigi aus Maromatsinjo hatte sie gefragt, ob sie nich in ihrer Haushaltsschule vorbei kommen könnte um ihrer Klasse das Häkeln zu lernen. Unsere Mama war so lieb und hatte Kathrin haufenweise Restwolle und ca 25 Häggli mitgegeben. Wir verbrachten einen Morgen in der Schule und staunten wie viel Ausdauer die Madagassen an den Tag legen. Auch wenn sie nicht vorwärts kommen, sie probieren und probieren und maulen nicht einmal, sie wären müde oder so ähnlich. Am Mittag bekamen wir von ihnen ein besticktes Taschentuch und von jeder der Schülerinnen und den Lehrerinnen drei Küsse! Haha, zum Glück müssen wir uns in der Schule nie so von unseren Schülern verabschieden!

Freundlichkeit
Wir haben bereits geschrieben, dass uns häufig nachgerufen wird, wir sollen Bonbons etc verteilen. Wir sind etwas zurückhaltend, wenn Leute uns anbieten, etwas für uns zu tun, weil wir uns daran gewöhnt haben, dass nachher immer eine Gegenleistung gefordert wird. Ein Tag in Ankarana war für uns darum umso schöner. Erst hat uns im Taxibrousse unsere Banknachbarin ein Mandarindli angeboten. Zu Fuss unterwegs ins nächste Dorf haben wir ein Blätterpäckli gekauft, weil wir gemeint haben, es sei ein Bananen-Reis-Mus darin. Als wir es öffneten, waren zu unserer Überraschung nur Blätter drin. Die Verkäuferin hat uns erklärt, die Blätter würde man einfach so essen, sie machten stark. Gemeinsam haben wir probiert, total nicht fein. Und weil wir wussten, dass wir die Blätter eh nicht essen würden, haben wir sie ihr wieder gegeben, worauf sie uns unser Geld zurück geben wollte. Auf dem Rückweg ist ein Mann auf seinem Ochsenkarren vorbei gekommen. Wir haben darüber gesprochen, wie gerne wir einmal mit so einem Karren mitfahren würden und ohne, dass wir etwas zu ihm gesagt hätten, ist der Mann langsamer geworden und hat uns aufgefordert, aufzuklettern. Das war ein richtiger Glückstag für uns, mit so viel kostenloser Freundlichkeit. Gleichzeitig stimmt es uns etwas traurig, dass wir uns dermassen darüber freuen, weil das doch auch ein Zeichen dafür ist, wie viel es eben nicht so ist.

Mit some Gefährt eröffnet mir i de Schwiiz denn au es Taxiundernämmä. Direkt näbäd oisem Bananebroottüechli ;) 


Weltmeisterschaft in Madagaskar
Als wir in einem Nationalpark übernachteten und gerade vom Abendessen zu unserem Zimmer zurückkehren wollten, entdeckten wir eine Menschenansamlung. Neugierig gingen wir hin und sahen vor den ca. dreissig Madagassen einen Mini TV wo Fussball gezeigt wurde. Wer spielt denn? Suisse – Equadore! Natürlich setzten wir uns dazu. Sogar für Sicherheit war gesorgt. In der hintersten Reihe sass ein Mann im Tarnanzug und mit einem Gewehr in der Hand. Wir wissen bis jetzt nicht so recht, was er darstellte – vielleicht ist er Gardien vor Ort. Die Madagassen meinten zuerst die Schweizer können nicht gut Fussball spielen, der einzige der gut wäre, wäre der Schwarze – das wäre sicher ein Madagasse, der den Schweizern helfen würde. Ausserdem hätten die Schweizer Angst vor den Gegnern, weil diese schwarz waren. Als sie dann aber ein Goal erzielten, änderten sie sofort ihre Meinung. Und als die Schweiz das Spiel schlussendlich gewann, meinten sie sogar, doch, die können was, die Schweizer.

Dasch mal en Bildschirm! 


Insel
Vielleicht hast du schon von der Insel Nosy Be gehört. Es soll das Paradies von Madagaskar und entsprechend von Touristen überfüllt sein. In der Regel halten wir uns von solchen Orten fern, aber als wir am Hafen standen, wo die Fähren zur berühmten Insel übersetzen, waren wir hin und weg von dem von Menschen überfüllten Schiff, sodass wir kurzerhand entschieden für das Mittagessen rüber zu fahren. Als das Schiff mit unzähligen Kisten, Säcken, Autos und einem Zebu beladen war, tuckerten wir los. Von der Insel haben wir nicht viel gesehen, eigentlich nur die Hauptstadt, die nicht viel anders ist, als jede andere hier in Madagaskar, aber das Essen war gut ;) Auf dem Rückweg entdeckten wir eine kleine Dschungelinsel, die so richtig echt aussah. Wir entschieden uns kurzerhand unser Gepäck zu holen und zwei Tage dort zu verbringen. So cool, dass wir laufend unsere Pläne ändern können – wir sind immer genau dort, wo wir sein wollen. Nun, das Schiff sollte um acht fahren und wie wir sind, standen wir um halb acht auf dem Platz. Ein Mann verkaufte uns eine Fahrkarte, meinte aber gleichzeitig das Schiff würde erst um zehn losfahren. Daran sind wir ja schon gewohnt. Also sassen wir und schauten ein bisschen – mai, das können wir schon gut! Um zehn Uhr gingen wir mal nachfragen, wann denn das Schiff fahren würde. Nach langen Diskussionen stellte sich heraus, dass der Typ überhaupt kein Schiff und uns zudem viel, viel, viel zu viel Geld abgeknöpft hatte. Wir wurden echt wütend, weil es unterdessen jenste Schiffe gehabt hätte, die rübergefahren wären. Nach vielen Wortwechseln – unter Anderem auf Deutsch – bekamen wir das Geld zurück und konnten um halb zwölf  losfahren. Mann, das war ermüdend. Die Insel war wunderschön und Kathrin war hin und weg. Mich hat’s eher etwas geärgert. Die Menschen haben täglich Touristen vor Ort und behandelten uns auch entsprechend. Seit elf Monaten versuche ich madagassisch zu lernen, mich diesem Land anzupassen und zu sein wie sie – aber für sie bin ich nichts anderes als ein Tourist, den sie ausnehmen können. So erzählten sie unserem Guide, der uns auf den Berg in der Mitte der Insel begleitete, dass eine Frucht für die Vazahas doppelt so viel kostet wie für die Madagassen – dumm, dass ich es halt verstanden habe. Der Ausflug hat sich aber trotz allem gelohnt! Genau so stell ich mir eine „Insel Insel“ vor. Haha und der Rückweg war auch Weltklasse. Wir nahmen ein Spezialbot und haben entsprechend viel Geld bezahlt. Als wir ausstiegen meinte der Fahrer noch, ob er nicht ein Bisou bekommen könne. Was denken die denn, sie können uns ausnehmen und anschliessend noch Küsse einsammeln?!?

Es Paradies? 

Fahrt in den Osten
Um in den Nordosten Madagaskars zu gelangen, kann man fliegen oder aber man nimmt die Landstrecke, das sind etwa 300 Kilometer auf katastrophaler Strasse. Natürlich haben wir uns für Letzteres entschieden. Man hat uns gewarnt, dass es Leute gegeben hätte, die für die Strecke schon eine Woche gebraucht hätten wegen unpassierbarer Streckenteilen, weggeschwemmten Brücken etc. Aber im Moment ist Trockenzeit und so waren wir zuversichtlich und ein bisschen Abenteuer kann nie schaden. Gefahren sind wir mit einem normalen Taxibrousse, vier Leute auf drei Sitzen, schon interessant, wie wir das bereits komfortabel finden, eng wird es erst ab fünf. Um halb zwei am Nachmittag sind wir gestartet, um halb neun am nächsten Morgen angekommen. Man hatte uns gesagt, die Fahrt würde gut zehn Stunden dauern und wir sind ganz froh, dass wir nicht wussten, dass es fast doppelt so lange geht. Die Fahrt ging ohne Zwischenfälle, auch wenn wir uns fragen, wie viele solcher Fahrten ein Auto überlebt. Im Sitzen schlafen ist nicht bequem, aber die Madagassen sind da sehr unkompliziert, man lehnt bei seinen Banknachbarn an, legt ihnen den Kopf auf Schulter oder Beine und ist sich so gegenseitig Kissen und Stütze zugleich. Wir haben dankbar mitgemacht.

Mär chan nie festhalte wie vill Mänsche i some Bus sitzet! Mir chönds mit oi di Hei mal anstelle! S Bild vom Chotzseckli vo dem vor ois hämmär dänkt, ersparemer oi ;)


Begegnungen
Die Menschen im Norden sind so ganz anders als im Süden. Keiner ist erstaunt, dass wir uns auf Madagassisch verständigen. Im Gegenteil, sie reden ohne zu zögern in ihrer Sprache weiter. Fies ist ja, dass der Dialekt im Norden so ganz anders ist. Könnte vielleicht mit dem Wallis verglichen werden bei uns. Unterwegs trafen wir auf zwei Amerikaner, einer davon arbeitet für Peacecorps in Madagaskar. Es war unglaublich spannend mit den beiden zu reden, Gedanken über das Land und sonst das Leben auszutauschen, dass wir einen kleinen Teil unserer Reise gemeinsam fortsetzten. (Thank you guys! You were amazing! à Google, you don’t have to translate this part – it’s supposed to be English).



Glatt hämmärs gha! ;)

Ausblick
Zur Zeit befinden wir uns im Vanilleparadies! Hier gibts das beste Glace der Welt!
In zwei Tagen begeben wir uns auf das laaange erwartete Trekking durch die Masoala (-Halle ;) ) Wir brauchen acht Tage um ans andere Ende, nämlich nach Maroantsetra, zu gelangen. Ein Guide und etliche Träger werden uns begleiten. Anschlissend bleiben uns knapp zwei Wochen um der Küste entlang nach unten zu reisen, Ferien auf der Insel St. Marie zu machen, zurück nach Tana zu „broussen“, alles zu packen und uns zu verabschieden. Ja und dann sehen wir uns ja schon bald wieder! Wir freuen uns auf euch!

Sonntag, 8. Juni 2014

"Vazaaaaahhhh"


Huuuiiii, wie die Zeit rennt! Schon wieder ein Monat vorbei? Ich habe nochmals ein neues Madagaskar kennengelernt. Ein Madagaskar, das mich immer mehr fasziniert! Für den Fall, dass dus selber noch nicht erlebt hast: Reisen ist ja wohl das coolste der Welt! Bin so vielen spannenden Menschen begegnet, habe so viele unglaubliche Landschaften gesehen, hab unendlich viel Reis geschlemmt, die Sonne über wunderbaren Panoramen untergehen sehen, in einem Monat mehr geschlafen als in drei zu Hause und das schönste an allem: ich hatte zwei wunderbare Gspöndli an meiner Seite um all das gemeinsam zu bewundern, zu bestaunen, zu diskutieren und über das Leben oder sonstige Dinge zu philosophieren. Liebe Kathrin, liebe Lea, ihr habt mein Leben in diesem Madagaskarjahr nochmals bereichert! Ich danke euch von ganzem ganzem Herzen...

Hiermit schliesse ich meinen Blog mit meinen Gedanken über meine Beobachtungen und Erfahrungen. Halte dich aber auf eine neue Art und Weise auf dem Laufenden.

Von nun an steht mein Blog unter dem Namen:

***KATHRIN (LEA) & CHRIGI AUF REISEN***
Herzlich Willkommen auf unserem Blog, liebe Freunde von Kathrin.

Wir werden dir jeweils einen kurzen Überblick geben, was wir gerade gemacht haben und wo wir uns im Land befinden, dann aber einige Anekdoten aus unserem Alltag schildern.

ABSTRACT:
Die Crew:       Lea, Kathrin, Chrigi
Das Ziel:        Toilara (Südwesten von Madagaskar)
Fortbeweg.:   Velo, Taxibrousse, Poussepousse, Pirogue & Füsse
Zeitdauer:      1 Monat

Veloeinkauf
Eines der Highlights auf unserer Velotour war der Einkauf der Fahrräder. Ein fertiges Fahrrad hätte dreimal so viel gekostet, also haben wir - mit Hilfe von einer Madagassin, die Chrigi schon von einer früheren Reise kannte - Einzelteile gekauft und diese anschliessend zusammenbasteln lassen. Am Ende des Tages standen drei schnittige Velos bereit, die von allen Madagassen stark bewundert wurden. Rote Speichen, weisse Rahmen, ein zu kleiner Lenker und eine zu grosse Kette... Aber davon merkten wir noch nichts, als wir unsere Reise begannen. Also fuhren wir am ersten Tag los – hoch motiviert und erst nach zwei, drei Stunden tauchten die ersten Beschwerden auf. (Aber unter uns gesagt, mein (Chrigis) A.... tat mir schon nach den ersten fünf Minuten weh, da ich mir die Madagassen aber ein bisschen zum Vorbild nehme, was ihr Gejammere anbelangt, versuchte ich auf die Zähne zu beissen – teilweise erfolgreich) Nach sechzig Kilometern funktionierte noch ca die Hälfte der Gänge und im Kettenreinmachen wurden wir auch immer schneller. Nach neunzig waren wir alle ziemlich am Ende und froh, das Tagesziel vor Einbruch der Dunkelheit erreicht zu haben. Nun so kam es, dass wir – wenn die Strecke zu weit war - auch mal ein Stück weit von nem Taxibrousse profitierten. Die Fahrräder auf dem Dach, wir im Bus eingequetscht zwischen Menschen, Hühnern und was halt sonst noch so mitfährt.
Waren wir aber mit dem Velo unterwegs, fühlten wir uns wie die Queen. Aus allen Ecken riefen uns Kinder: „Vazaaaaaah“ hinterher. Es war ein bisschen wie: Sucht Walter. Da war ein riesiger Hang, von irgendwoher hörst du die Stimme, hältst mal die Hand nach oben um zu winken und suchst eine ganze Weile, bis du die gut getarnten Kinder irgendwo super weit entfernt auf nem Stein sitzen siehst. Wir haben uns so manchmal gefragt, ob die dort den ganzen Tag auf Vazahas warten. Das Velofahren haben wir – abgesehen von den Beschwerden – voll genossen, so langsam durch die wunderschöne, schon wieder ziemlich braune Gegend zu fahren & viel mit den Menschen zu plaudern.

De Maa macht grad s Gschäft vom Läbä mit ois!


Madagassischer Coiffeur
In Ambositra hatten wir viel Zeit und nachdem wir einiges angeschaut haben, haben Chrigi und Lea gefunden, sie nutzen die Chance und gehen zum Coiffeur, kann ja nie schaden, dachten wir. Natürlich gibt es auch hier richtige Coiffeursalons, aber das wollten wir nicht und schnell sind wir an einem Strassencoiffeur vorbeigekommen, ein kleiner, offener Raum am Strassenrand. Lea wollte sich die Spitzen schneiden lassen. Die Coiffeuse hat ihr die Haare gewaschen und dann alle nach hinten gekämmt, die Schere angesetzt und vier Scherenzüge gemacht, das wars. Sie hätte ihr auch gerne noch einen Stufenschnitt verpasst, das wollte Lea dann aber nicht, ich frage mich warum. ;) Chrigi hat eine Färbung bekommen, ihre Hosen ebenfalls, die Haare sind jetzt schön schwarz, bis es soweit war, hat es aber einige Schritte gebraucht: Erst alles gründlich einfärben, dann einwirken lassen und immer mal wieder nachkämmen, dann auswaschen, erst einmal mit Seife. Um die Kopfhaut wieder sauber zu kriegen hat die Assistentin draussen etwas Sand geholt, dieser, kombiniert mit etwas Seife ergab eine perfekte Peelingmasse. Danach hat die Coiffeuse mit ihren Fingernägeln noch etwas nachgekratzt und am Schluss hat sie noch einen Schwamm, hergestellt aus einem Büschel Haare von dem wir hoffen, dass es Chrigis Haare waren, sicher sind wir uns da aber nicht, den Haaransatz noch einmal nachgerubbelt. Dann noch einmal ausspülen, trocknen et voilà, fertig war's. Für beide zusammen haben wir knapp 10'000 Ariari bezahlt, was etwas weniger als 5 Franken sind, ein super Erlebnis und so interessant zu sehen, mit welchen Mitteln man arbeiten kann.

Suber sinds ämäl!

4 Schnitt und fertig isch - dasch mal speditivs Schaffe!

Es Haarbüscheli zum putze!
Kinder
Während der Fahrt im Taxibrousse hatten wir viel Zeit zum Nichtstun und Schauen und dabei war vor allem die Rolle und der Umgang mit den Kindern interessant. In der Regel wird für die Kinder kein Fahrschein gelöst, das heisst aber dann auch, dass sie kein Anrecht auf ein Sitzplatz haben. Wenn der Bus nicht gefüllt ist, können sie auf einem Sitz Platz nehmen, wenn noch wer kommt, müssen sie aufstehen und sitzen bei jemandem auf den Schoss. In der Regel sind das die Eltern, muss aber überhaupt nicht sein, immer mal wieder zieht auch einfach eine Banknachbarin das Kind auf die Knie. Wir haben nie ein Kind gesehen, das deswegen geweint oder sich sonst etwas anmerken lassen hätte. Noch komischer für uns war, als es einmal eine Pinkelpause gegeben hat in einem Bus mit etwa 20 Sitzreihen. Ein Kind ganz weit vorne musste mal und anstatt dass die Mutter sich mit dem Kind durch alle Reihen durchgequescht hätte um hinten aussteigen zu können, hat sie es einfach aus dem Fenster gereicht und irgendwer ist dann mit dem Mädchen an den Strassenrand gegangen und hat es nachher wieder reingereicht.
Es scheint hier viel weniger Berührungsängste zu geben, zumindest unter Madagassen. Lea hat zwar auch mal ein Kind in die Hände gedrückt bekommen damit eine die Hände frei hatte um auszusteigen, zweimal aber hatten Kinder auch dermassen Angst vor uns, dass sie laut weinten und sich bei den Eltern verstecken mussten, dabei finden wir eigentlich nicht, dass wir so fürchterlich aussehen. Die allermeisten Kinder aber haben auch vor uns keine Angst, starren uns offen an und kommen meist mit sehr konkreten Forderungen: Donne-moi des bonbons! Donne-moi de l’argent! Donne-moi un cadeux! Dann gibt es auch die Kreativeren, die finden, gib mir deinen Rucksack, den Helm, dein Fahrrad,... Das ist extrem befremdend und wenn wir müde sind auch sehr anstrengend und vor allem stellt es uns immer wieder vor die selbe Diskussion. Es müssen wohl einige Weisse vorbei gekommen sein, die ihnen Bonbons gegeben haben, also ist das doch normal für sie. Wir wollen aber keine Zältliautomaten sein und finden es bisweilen auch frech, wenn sie uns so mit Forderungen belagern, stören uns also an etwas, das wir (im Sinne von wir Europäern) selber geschaffen haben. Wenn wir nun jemanden nach dem Weg fragen und er bring uns dorthin und fragt dann nicht nach einem Geschenk oder Geld, sollen wir dann was geben, weil wir ja froh waren um den Dienst oder sind wir dann Schuld, dass er das nächste Mal den Weg nur noch zeigen wird, wenn er was bekommt? Diese Frage beschäftigt uns immer wieder und wir kommen nicht weiter. Zum Glück sind die Kinder so herzig, da vergessen wir dann den Zältliärger wieder, schoggibrun halt. 

 
Halt eifach Schoggibruun! Und die Auge!***

"Vazaha, donne moi de bonbon!"

Zebumarkt in Ambalavao– Der Besuch einer madagassischen Viehschau
Vorerst ein bisschen Hintergrundwissen: Ein Zebu - auf Madagassisch „Omby“ (ausgesprochen: Umbi) – ist hier wie eine Bank. Wer Zebus besitzt ist reich. Gebraucht werden sie von allen Madagassen für traditionelle Zeremonien wie Beerdigungen, Hochzeiten etc. Früher gab es eine Tradition, die junge Madagassen ein Zebu stehlen liess und erst wenn sie das geschafft hatten, waren sie richtige Männer und im Stande zu heiraten. Heute ist diese Tradition leider erweitert worden. Im Süden Madagaskars gibt es mittlerweilen so viele Zebudiebe, dass das Leben dort echt gefährlich ist. (Zum Beispiel haben wir in Toilara einen Spital besucht und sind dabei einem Madagassen begegnet, der von 30 Zebudieben überfallen und angeschossen wurde – scheint hier das normalste der Welt zu sein! Er fand jedenfalls die Tatsache, dass drei Vazahas in sein Zimmer schauten doppelt so interessant wie seine Verletzung und urkomisch.)
Nun aber zum Markt: Dieser findet jeden Mittwoch und Donnerstagmorgen statt. Es gibt Bauern, die legen mit ihren Herden eine dreitägige Wanderung zurück um in dieser Stadt ihre Tiere zu verkaufen, die sie über Jahre gehütet und gepflegt hatten. Die Käufer sind meistens reiche Händler, welche die Zebus in Lastwagen quetschen – der Tierschutz wäre alles andere als begeistert – um diese nach Tana zu transportieren und dort weiter zu verkaufen.
Der Platz wimmelt von Männern mit Hüten und Stecken in den Händen, sie tragen die Sonntagskleidung: zerschlissene Westen und Faltenhosen- manchmal auch Trainerhosen. Die meisten haben eine Wolldecke umgebunden, denn in der Nacht kann’s ganz schön kalt werden. Die Frauen verkauften am Rande Gebäcke, Tee und Kaffee. Die meisten strahlen und laufen mit einem Bündel Geld in der Hand umher. Ein wunderbares Schauspiel. Wir stürzten uns natürlich voll rein und erkundigten uns nach dem Preis eines Zebus. Umgerechnet ca. 50 Schweizerfranken. Überall wo wir ein Gespräch begannen, bildete sich sofort eine Traube Menschen um uns, die hören wollten, was diese Vazahas denn da wollen. Als wir dann erzählten, dass unser Papa auch Kühe hätte zu Hause(oke – Notlüge), meinten sie, wir sollen doch nächstes Mal eine Kuh mitbringen, dann könnten wir tauschen. – Ja, gute Idee, wir werdens uns überlegen. ;)

Neni (Grossvatter), weles söllemer heibringe als Souvenir?

Nuno es Schüpfli!


Heiratsanträge
Haha, was haben wir gelacht. Überall wo wir ankamen, waren die Männer entzückt von den drei Vazahafrauen – das sollte einem in der Schweiz ja auch mal passieren! :P
Immer wenn wir an einer Taxibroussestation unsere Velos verladen, sind wir natürlich eine Attraktion. Vor allem, weil wir uns auch auf madagassisch verständigen können. Nach: „Mahay miteny gassy!?“ (Du sprichst ja madagassisch!?) ist die Zweite Aussage: „Eva manambady?“ (Schon verheiratet?) und wenn du da sagst, noch nicht, dann werfen sie dir die Heiratsangebote nur so zu. Der wäre noch zu haben und jener und ich hätten noch einen Bruder etc.  Einmal als wir in einem Taxi-B (ÖV) fuhren und mit einer Frau ins Gespräch kamen, meinte sie, sie hätte einen wunderschönen Sohn, ob wir den nicht haben wollten – sofort packte sie das Handy aus, um uns Bilder von ihm zu zeigen – und einmal mehr: sie sehen wirklich gut aus, diese madagassischen Männern mit ihren durchtrainierten braunen Oberkörpern! ;) Aber heiraten wollen wir sie trotzdem nicht und um all den Angeboten ein bisschen zu gehen flunkern wir ein bisschen und sagen halt, jaja wir sind verheiratet.
Oder ein ander Mal in einem Hotel gab es einen charmanten Rezeptionisten, der zuerst Kathrin fragte, ob sie verheiratet wäre. Sie bestätigte das und er fragte sogleich, wie es denn um die anderen Beiden stehen würde. Als sie erklärte, dass alle bereits verheiratet wären, liess er sie gehen. Kurz darauf fing er aber Lea ab und fragte erneut, ob sie denn schon einen Mann hätte – haha, was denken die denn, dass wir untereinander nicht miteinander reden?

Au d Frau mitem Huet hetti sust no en Brüeder, wo sicher au grad na Ziit hetti zum eini oder au zwei vo ois hürate...


Feilschen
Um Preise kämpfen müssen wir jeden Tag. Aber unterdessen machen wir uns einen Sport daraus. Meistens entstehen so lustige Gespräche und Bekanntschaften. Die Madagassen freuen sich mehr darüber, wenn du mit ihnen reden kannst, als wenn sie dir etwas zu einem zu hohen Preis verkaufen. Das Lustigste fand an einer Taxibroussestation statt. Wir kannten den Fahrpreis bereits für die folgende Strecke. Der Typ im Häuschen wollte uns aber abzocken. Ich diskutierte lange mit ihm und er beharrte auf seinem Preis. Es gäbe eben Preise für Madagassen und welche für die Vazahas. Als ich dann sagte, aber ich wäre ja schon mit einem Madagassen verheiratet und somit auch Madagassin, meinte er: Ok. Du kannst billiger fahren, die anderen beiden müssen aber mehr bezahlen. Nun, wir einigten uns darauf, dass der Chauffeur entscheiden solle und dieser willigte sofort ein, als ich ihm meinen Preisvorschlag machte. Das schöne war, der andere Typ, gab mir einen freundlichen Handklatsch und wünschte uns eine gute Reise.

*otschini* ;)
 
*Lafu be* (=dasch aber tüür!) De hätsi also d Kathrin!

Wie weiter:
Erst mal heisst es schon: Tschüss liebe Lea! Es war super mit dir! Pass gut auf dich auf! Geniess deine weitere Reise und komm gesund wieder nach Hause!

Zu zweit ziehen wir morgen weiter. Ein kleiner Abstecher in das Dorf am Ende der Welt ohne Nichts, dann gehen wir über Tana in den Norden. Wohin genau steht noch in den Sternen. 

Mittwoch, 7. Mai 2014

Diako be (ich liebe es)


Seit Stunden versuche ich diesen Blogeintrag zu schreiben. In Worte zu fassen, was ich im vergangenen Monat erlebt habe. Aber es fällt mir schwer. Einen Monat 14 km von der Zivilisation entfernt ohne Strom, ohne Fliessendwasser. Nichts. Rundum Dschungel, mitten in einer riesigen Familie. Eine Familie, die sich von ihrem selber angepflanzten Reis ernährt. Eine Familie, die in unseren Augen als äusserst arm bezeichnet würde, aber auf eine Art und Weise unvorstellbar reich ist. Eine Gemeinschaft, wo jeder das leistet was er schon oder noch kann. Menschen, die sich gegenseitig helfen, unterstützen und eine überwältigende Toleranz aufweisen.
Das Leben dort ist so einfach, so naturverbunden, so kreativ, so hart, so lehrreich, so faszinierend und so wunderschön. Es war eine überwältigende Erfahrung, ihren Alltag mitzuerleben, die madagassischen Handwerke zu erwerben, die Menschen kennenzulernen und ihre Handhabungen zu verstehen. Es hat mich so berührt, dass ich gar nicht weiss, wie ich dir das erzählen kann, dass du verstehst, was es mit mir gemacht hat. Langsam beginne ich Madagaskar mit meinen eigenen Augen zu sehen und vieles wird mir klar oder bewusst dabei. Ich habe Verständnis für Dinge, die ich in der Schweiz niemals akzeptieren würde. Ich bin voller Bewunderung für die dort Sesshaften und unendlich dankbar dafür, dass ich, auch wenn nur für eine kurze Zeit, einen Teil davon sein durfte. Ich hatte so viel Zeit, diese so unterschiedlichen Welten miteinander zu vergleichen. Hatte so viel über meine Denkweise, meine Handhabungen sowie meine Macken nachgedacht. Mir wurde bewusst, wie oft ich mich in meinem Alltag über kleine Dinge, andere Menschen ärgere, wie oft ich mich selber in Stress versetze obwohl es überhaupt nicht nötig wäre. Diese Menschen in Maromitsinjo, wie der Ort dort heisst, sind Geduld, Toleranz und Fleiss in Person. Wenn ich nur einen kleinen Teil von ihrer Lebensphilosophie in meinen Schweizeralltag einbringen kann, bin ich überglücklich. Aber ich weiss schon jetzt, dass es mir schwer fallen wird und ich immer wieder in meine alten Muster zurückfallen werde. (wag es ja nicht, mir das dann unter die Nase zu streichen!)
Vor mim Di Hei am Riis choche

Mini Chuchi
ja, de hani nonig so

In diesem Holzhaus habe ich gewohnt. Der Wind zog zwischen den Brettern hindurch und so manche Nacht hab ich furchtbar gefroren. Wasser hab ich am Brunnen in einem Eimer geholt und diesen auf meinem Kopf – natürlich nicht annähernd so graziös wie die einheimischen Frauen das handhaben – zurück zu meinem Haus getragen. Abends, nach einer eiskalten „Chübelituschi“ hab ich im Kerzenlicht Briefe geschrieben, gelesen gestrickt und gekocht. Dies mit einem Ding, das sich Fatapera nennt. Eine Art Grill, wobei die Pfanne direkt auf die Holzkohle gestellt wird. Spätestens um neun fiel ich völlig erschöpft aber durch und durch zufrieden ins Bett. Dies, weil ich es mir nicht entgehe lassen wollte alles mitzumachen, was auch die Madagassen machen. Morgens half ich meinen Nachbarn im Reis zu arbeiten. Zurzeit ist die Reisernte angesagt. Hast du gewusst, dass es zwei verschiedene Arten von Reisanbau gibt, wobei bei der einen jedes „Äri“ einzeln mit einer Art Japanmesserklinge abgezwackt wird? Da mir keiner wirklich erklären konnte, wie man das richtig macht, hab ich halt rechts und links abgeschaut. Die erste Woche schaffte ich immer nur ein „Äri“ aufs Mal. Alsbald ich das zweite auf die gleiche Hand nehmen wollte, fiel mir das erste wieder runter. Gegen Ende des Monates bin ich aber bei stolzen zehn angelangt. Da sich alle Familien gegenseitig helfen, ist es natürlich ein Anlass um Klatsch und Tratsch auszutauschen und für mich eine optimale Gelegenheit um madagassisch zu lernen. Nun, da sie weder Französisch noch Englisch sprachen, war ich wohl darauf angewiesen. Inzwischen kann ich kommunizieren und fragen was ich möchte, bei ihrer Antwort muss ich aber immer noch beachtlich raten.
 
Minou am mitsangotra vary


wer brucht das Jahr na en kreative Hochziitsstruss?



 Am Mittag gibt’s Picknick auf dem Feld. Natürlich Reis – viel Reis -  mit etwas Bohnen oder gekochten Blättern. Nach getaner Arbeit wird der Reis in Körben und Säcken auf Kopf oder Schulter nach Hause getragen. „Wenn die das können, werd ich das wohl auch noch hinbekommen“, hab ich mir gedacht, mich dabei aber mächtig getäuscht. Zweimal ist mir der Sack, der nur halb so fest gefüllt war, wie jener der anderen, runtergefallen und als ich endlich ankam wusste ich nicht mehr wie ich mich bewegen sollte. Der Kopf tat am nächsten Tag noch weh.

Die andere Reissorte wird im Wasser angepflanzt. Bei dieser Variante schneiden die Männer mit einer Sichel Bündel ab und legen sie auf den Boden. Die Frauen sammeln diese Bündel ein, legen sie auf eine aus Blättern geflochtene Leine, binden sie zusammen und tragen sie auf dem Kopf zum „Depot“. Am nächsten Tag steht dann das „mively vary“ an. Mit einem Holzstab werden die Reiskörner aus den Ären geschlagen. Meine Güte das gibt Blasen an den Händen und Muskelkater für sieben! Zu Hause wird der Reis an der Sonne getrocknet und bevor er gekocht werden kann, widmet man sich dem „toto vary“. Dieses Wort besteht, so weit ich weiss, nicht im deutschen Wortschatz – würd es mal als „entschelfere“ betiteln. Dies funktioniert mit einem überdimensionalen Mörser, der die Blasen wieder schön aufreisst und den Muskelkater nochmals verdoppelt. Während ich darauf konzentriert war, den Reis nicht aus der Schale zu schieben und die extrem aerodynamische Begegnung abzuschauen schlug ich mir das dumme Ding doch des Öfteren an den Kopf. 



mively vary

mitoto vary
 
Mini Apitek hani innerhalb vonere Wuche plünderet. Ob für mich oder die wo da läbäd. Apitek oder Arzt isch vierze Kilometer wiiter eweg - isch denn wiit ohni Auto! (Bepanthene und Bepatine sind mini beste Fründe worde)


i blib debii: Schoggibruun halt ;)
Nun ist mein Körper ein riesen Frack. Bin übersät mit entzündeten Wunden vom Barfuss gehen und Aufkratzen der Mückenstiche, dass ich, was das anbelangt, gar nicht so undankbar bin, wieder in der Zivilisation zu leben. Die Körper der Madagassen sind durchtrainiert und sich diese Strapazen gewohnt. Sie waren mir gegenüber jedoch immer äusserst nachsichtig: „Ja, du lernst ja noch…“, hiess es so oft, wenn mir etwas noch nicht gelang. Sie waren aber auch sonst so zuvorkommend. Luden mich immer in ihr Haus, vielleicht gerade zum Essen ein oder kamen auch öfters bei mir vorbei um zu plaudern, zu stricken, den Kater nach dem Ball, wie sie die Landparty hier nennen, auszuschlafen, sich gegenseitig, die Läuse vom Kopf zu entfernen, UNO zu spielen oder einfach ein bisschen zu sein. Besonders die Kinder kamen täglich vorbei. In diesem Dorf leben soooo viele Kinder, das können wir uns gar nicht vorstellen! Auf die vier Schwestern, die alle eine andere Mutter haben und eine weitere Frau, deren Mann der Bruder des Vaters der vier Schwestern ist (ja, es hat mich auch nen Monat und eine ausführliche Zeichnung gekostet, bis ich das verstanden habe) sind ca 27 Kinder verteilt. 




Am Ball am tanze (oder posiere)
Ich glaube, das ist mitunter ein Grund, warum mich die Zeit dort so berührt hat. Ich möchte nichts generalisieren oder jemandem etwas unterstellen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass einige dieser Kinder das Endprodukt eines Balles waren. Ein Anlass, wo alle ordentlich betrunken sind und die Geburtenrate neun Monate später ansteigen lässt. Aber das spielt dort keine Rolle. Die Kinder sind hier und akzeptiert. Aber es würde sich nie jemand bemitleiden oder beklagen für eine Aufgabe, die ihm zugeteilt ist. Ob als Mutter, die täglich harte Arbeit leisten muss um die Kinder zu ernähren, ob als neun Jähriges Kind, das so viel Verantwortung trägt für seine Geschwister, wie sie das bei uns mit achtzehn Jahren noch nicht tragen müssen, oder als Baby, das die Mutternähe nur Morgens und Abends kurz zu spüren bekommt. Wir würden da in der Schweiz eine Gefährdungsmeldung machen, weil die Kinder verwahrlosen und uns mächtig den Mund darüber zerreissen, was das für eine schlechte Mutter ist, die die Kinder alleine zu Hause lässt und sich ihnen nicht mal richtig widmet, wenn sie dann mal da ist. Hier besteht unter Erwachsenen ein viel grösseres Verständnis dafür. Helfen tun sie, indem sie ein Kind der Schwester in ihrer eigenen Familie aufnehmen. Auf meine Frage, warum dass denn der Sohn der Mutter bei der anderen Mutter lebe, lautete die Antwort: „Tsy maninona“ (Es macht nichts). So eine grosse Toleranz! So eine grosse Akzeptanz! Ich habe nie jemanden gehört schlecht über den anderen zu reden! Mai, da könnten wir ganz viel von diesen Menschen lernen. Wie schimpfen wir doch gerne über andere, wie lassen wir uns gerne über Fehler unserer Mitmenschen aus, anstelle sie in ihrem Dilemma zu unterstützen. Ich kann nicht behaupten, die Situation dort wäre besser. Keinem Kind wünsche ich, so aufwachsen zu müssen. Aber genau das meine ich, wenn ich sage, diese Menschen sind auf ihre Art und Weise unendlich reich. Sie machen, was sie können. Sie sind zufrieden mit dem was sie haben. Sie arbeiten fleissig und gerne auf ihren Reisfeldern. Jahr ein Jahr aus. Sie beklagen sich nie über Langeweile. Sie freuen sich Wochen im Voraus auf Events wie ein Ball, das Kino im Nachbarsdorf, welches den Film „Jesus“ in einer Kirche (Anita, da hätte deine Tante ganz sicher nicht platz gehabt) zeigt und das Bild halb so gross ist, wie so mancher Plasmabildschirm der bei euch zu Hause steht, das gemeinsame Kartenspielen, das Taoka gasy (Rum) trinken, was sich die Männer eigentlich nie entgehen lassen, die Reisernte bis hin zu einem Fussballspiel, das bis 3h Weg zu Fuss in Anspruch nimmt. (3h Hinweg, 1h Fussballspiel und wieder 3h zurück – ja da schlafen alle gut in der Nacht). Ja, diese Menschen in Maromitsinjo sind uns Mailen voraus, was Zufriedenheit und Ausgeglichenheit anbelangt. 

Weil in der Schule während vier meiner fünf Wochen vor Ort Ferien waren und sie mich im Vorfeld nicht darüber informierten, unterrichtete ich am Nachmittag auf ihren Wunsch Englisch. Zuerst für die Kinder, die freiwillig zur Schule kommen wollten und anschliessend für Erwachsene. Einige hatten über ne Stunde Weg. So lernwillige Schüler hab ich noch selten erlebt. Ein bisschen ist es schon schade, dass so lange Ferien waren. Die drei Lehrerinnen hätten eine Weiter – nein, eher eine Ausbildung sehr gut gebrauchen können. Es tut mir extrem Leid für die Kinder. Was ich gesehen habe, kommen die 250 Kinder morgens zur Schule, spielen den ganzen Tag und kehren am Nachmittag immer noch als Analphabeten nach Hause. Es stimmt mich traurig, denn wo sonst, wenn nicht in der Schule, sollen sie Lesen und Schreiben lernen? Ihre Eltern können es selber nicht. Aber das scheint dort normal und völlig akzeptiert zu sein. 


Ja und nun ist dieser Monat schon wieder vorbei. Es war eine Erfahrung, die ich niemals vergessen werde. Habe so viel gelernt. So viel verstanden. So viel bewundert. So viele Menschen kennengelernt. Menschen, die so arm aussehen aber so ein reiches Herz haben. - Davon wünsch ich uns allen ein bisschen. 



Morgen kommen Kathrin und Lea – ich freu mich wie ein Honigkuchenpferd (was füre cuuls Wort!) Das Reisen lag irgendwie immer so weit weg und nun steht es quasi vor der Türe. Mit dem Velo geht es erstmal Richtung Süden, dann schauen wir weiter. Freu mich so noch mehr über dieses vielfältige Land zu lernen, Dinge zu verstehen und Menschen kennenzulernen (Das hätte ich vor zwei Monaten ja auch nie behauptet!). Wie es mit meinem Blog weitergeht weiss ich noch nicht – aber irgendwie halte ich dich schon auf dem Laufenden… 
Drück euch ganz lieb! 

Grüsse von einer Chrigi mit einem Herzen wie ein Schmetterling. So glücklich, so zufrieden, so überwältigt, so…. voller Leben!